Deutscher Gewerkschaftsbund

26.06.2018

Verleihung der Fritz-Soldmann-Urkunde an Alois Klebes

Alois Klebes Foto: DGB Unterfranken

Kleinlangheim. Die größte Ehre, die Kolleginnen und Kollegen von der DGB Region Unterfranken erwiesen werden kann, ist die Verleihung der Fritz-Soldmann-Urkunde. Am 22. Juni wurde Alois Klebes in seinem Heimatort im Schützenhaus Kleinlangheims mit dieser ausgezeichnet. Durch die Verleihung der Urkunde – welche pro Jahr an maximal zwei Kolleginnen oder Kollegen verliehen wird – ehrte die DGB Region Unterfranken Alois Klebes für sein jahrzehntelanges und unermüdliches Engagement in Gewerkschaft und Gesellschaft.

 

An der Urkundenverleihung nahmen etwa 60 geladene Gäste teil. Darunter zahlreiche Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, sowohl hauptamtlich als auch ehrenamtlich. So war unter anderem fast die gesamte Belegschaft der IG Metall Geschäftsstelle Würzburg anwesend. Auch Familie und Freunde Alois Klebes‘ waren vor Ort. Ebenso nahmen Landrätin Tamara Bischof und Bürgermeisterin Gerlinde Stier teil, sowie einige Urkundenträger, die in den vergangenen 13 Jahren ausgezeichnet wurden. Als musikalische Umrahmung des feierlichen Anlasses hat Alois Klebes die „Pfarrgasssänger“ engagiert, welche a cappella alte fränkische Lieder sangen. Unter ihnen war auch der stellvertretende Bürgermeister Kleinlangheims.

Zu Beginn begrüßte DGB Regionssekretär Viktor Grauberger nach einem Sektempfang die Anwesenden. Ihm folgte DGB Regionsgeschäftsführer Frank Firsching, der in seiner Rede unter anderem auf das Leben des Namensgebers der Urkunde einging. Nach dessen Gratulation folgte die Laudatio, welche vom 1. Bevollmächtigten der IG Metall Würzburg, Walther Mann, vorgetragen wurde. An die Laudatio schloss sich die Urkundenverleihung selbst an und schließlich sprach die Bürgermeisterin Stier noch ein Grußwort, bevor Alois‘ seinen Dank ausdrückte.

 

Bürgermeisterin Gerlinde Stier Foto: DGB Unterfranken

Die Pfarrgasssänger Foto: DGB Unterfranken

Frank Firsching fragt in seinem Vortrag danach, was eine freie Gesellschaft sei. Er beantwortete diese Frage mit einem Zitat von Jean Jaques Rousseau: „Zwischen dem Starken und dem Schwachen ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit.“ Deshalb sei bspw. ein Kündigungsschutz wichtig. Auch skizzierte er sowohl eine gleiche als auch gerechte Gesellschaft. Anschließend folgte eine Beleuchtung des Lebens von Fritz Soldmann.

 

Frank Firsching, DGB Regiongeschäftsführer Foto: DGB Unterfranken

Soldmann wurde am 8. März 1878 in Lübeck als Sohn eines Schneidermeisters geboren. Er machte sich bereits früh mit der Organisation von Streiks und dem Aufbau gewerkschaftlicher Strukturen einen Namen. Der Gewerkschafter ließ sich 1903 in Schweinfurt nieder und arbeitete in der Schuhfabrik Heimann. In der Folge übernahm er verschiedene Positionen als Funktionär, zum Teil vergleichbar mit heutigen Gewerkschaftssekretären. Mit den Jahren wurde er auch politisch aktiv bei der USPD und rief nach Kriegsteilnahme die Revolution in Schweinfurt aus. Er war über 20 Jahre Stadtrat in Schweinfurt und von 1920–1924 sowie von 1930–1933 Mitglied des Reichstages. Bereits vor der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten wurde er von diesen inhaftiert. Es folgten Verfolgung durch Gestapo, Inhaftierungen und Internierungen in Konzentrationslagern. Schließlich wurde Soldmann am 11. April 1945 von den Amerikanern aus dem KZ Buchenwald befreit. Nur 14 Tage nach der Rückkehr zu seiner Familie starb er am 31. Mai 1945 an den Folgen der jahrelangen KZ-Haft.

Soldmann setzte sich zeitlebens auch gegen widrigste Umstände für die Sache der Arbeiterbewegung ein. Aus diesem Grund wurde die Urkunde nach ihm benannt. Da Alois Klebes ebenfalls gegen zahlreiche Widerstände und trotz verschiedener Schicksalsschläge nie aufgehört hat für seine Überzeugungen und die Rechte der Beschäftigten zu kämpfen und diese zu verteidigen, hat er sich diese hohe Auszeichnung nach Meinung der DGB Region Unterfranken und seiner acht Kreisverbände redlich verdient.  

 

Walther Mann, 1. Bevollmächtigter IG Metall Würzburg Foto: DGB Unterfranken

In der Laudatio stellte Walther Mann gleich zu Beginn klar, dass Alois für ihn nicht nur ein Kollege, sondern auch ein Freund sei. Daher sei es ihm eine große Ehre die Laudatio zu halten. Die beiden sind schon seit 33 Jahren bekannt, seit dem Beginn der Tätigkeit von Walther als politischer Sekretär der IGM – zu diesem Zeitpunkt war Alois schon 17 Jahre lang aktiv.

Gelernt hat Alois Klebes den Beruf des Werkzeugmachers bei der Firma Rothe in Kitzingen. Er wechselte 1968 zu Baumüller und damit zu dem Unternehmen, welches er 42 Jahre lang geprägt hat. Er wurde sofort Mitglied in der IG Metall, zwei Jahre später Vertrauensmann und weitere zwei Jahre später zum ersten Mal Betriebsratsvorsitzender – mit 23 Jahren. Ab 1990 war er erneut Betriebsratsvorsitzender. Er war 1990 Mitgründer des Gesamtbetriebsrates und in der Folge dessen stellvertretender Vorsitzender. Schließlich gründete er gemeinsam mit anderen 2002 den Konzernbetriebsrat. Hier war er Vorsitzender bis zu seiner Verrentung 2010. Er ist unter anderem Mitglied im erweiterten Ortsvorstand der IGM Würzburg sowie der Delegiertenversammlung, Bildungsbeauftragter der Geschäftsstelle, war Delegierter der DGB Bezirkskonferenz und des 11. DGB Bundeskongresses. Nach seiner Verrentung übernahm er die Leitung des Senioren-Arbeitskreises der IGM in Kitzingen sowie weitere Funktionen auf Landesebene in Seniorenstrukturen von IGM und DGB. Er leitete als Referent unzählige Seminare und blickt heute auf eine 24-jährige Referententätigkeit für die IGM Geschäftsstelle Würzburg zurück. Doch auch außerhalb der Gewerkschaft wirkte und wirkt Alois Klebes. So ist er Mitglied in allen (!) acht Vereinen in Kleinlangheim. War 18 Jahre lang Gemeindevertreter und 12 Jahre Verwaltungsrat in der Verwaltungsgemeinschaft Großlangheim. 

 

Foto: DGB Unterfranken

Foto: DGB Unterfranken

Gemeinsam mit Walther Mann und der IG Metall Würzburg lieferte er sich zahlreiche Auseinandersetzungen mit der Firma Baumüller. Unter anderem als das Unternehmen 2005 aus dem Arbeitgeberverband VBM austrat. Unter Alois Klebes Führung mobilisierte sich massiver Widerstand dagegen, welcher Baumüller schließlich in einen Anerkennungstarifvertrag mit unwesentlichen Abweichungen vom Flächentarifvertrag zwang. Als Folge dieser Auseinandersetzungen trat das Unternehmen nur acht Monate nach dem Austritt wieder dem VBM bei.

Alois steht für Walther Mann sinnbildlich für die IG Metall Würzburg, der seine Hoffnungen und den Optimismus wie alle Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus „dem Vertrauen in die Richtigkeit unserer Sache – und die Kraft der Solidarität“ zieht. Der 1. Bevollmächtigte Mann schloss mit einem Zitat von Berthold Brecht:

„Die Schwachen kämpfen nicht.

Die Starken kämpfen vielleicht eine Stunde lang.

Die noch stärker sind, kämpfen viele Jahre.

Aber die Stärksten kämpfen ihr Leben lang.

Sie sind unentbehrlich“

von links: Viktor Grauberger (DGB Regionssekretär), Walther Mann (1. Bevollmächtigter IG Metall Würzburg), Alois Klebes, Frank Firsching (DGB Regionsgeschäftsführer) Foto: DGB Unterfranken


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