Deutscher Gewerkschaftsbund

10.10.2016
DGB Kreisverband Schweinfurt

DGB-Chef Firsching zum Welttag für Menschenwürdige Arbeit: „Stoppt die Profitgier“

DGB KV Schweinfurt

Schweinfurt. Mit einem klaren Appell hat DGB Kreisvorsitzender Frank Firsching den Empfang des Gewerkschaftsbundes zum Welttag für Menschenwürdige Arbeit ausgestattet. „Anstatt der Profitgier zu huldigen, benötige wir eine Mentalität des leben und leben Lassens.“, sagt Firsching vor 60 Gästen aus Gesellschaft, Gewerkschaft und Politik im Schweinfurter DGB-Zentrum. Herrschende Teile der Menschheit habe Ziel und Maß verloren. In den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Anstrengungen gehörten Menschlichkeit, Solidarität und ökologische Nachhaltigkeit unter Beachtung der individuellen Freiheit, so Firsching.

An Beispielen machte Firsching deutlich, dass die Profitgier einiger weniger das Leben von vielen bedroht. Er nahm Bezug auf den Vorsitzenden der Textilarbeitergewerkschafterinnen von Bangladesch, Amirul Haque Amin, der im letzten Jahr Schweinfurt besuchte. Amin berichtete von Jahresfrist in der vollen Schweinfurter Rathausdiele über die miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen von 4,2 Mio. Textilarbeiterinnen in 5.000 Textilfabriken seiner Heimat. Eine Tragödie ereignete sich dort beim Einsturz des Fabrikgebäudes Raza Plaza, als mehr als 1.100 Menschen in den Trümmern der Profitgier begraben wurden und starben. Ähnlich inakzeptabel, so Firsching, seien die Arbeitsbedingungen der Bauarbeiter, die in Katar die Infrastrukturbauten und Stadien für die Fußball-WM 2022 herstellten. Besonders perfide sei die Tatsache, dass die Baufirmen die Pässe der Wanderarbeiter konfiszieren, um sie in sklavenähnlichen Zuständen zu halten. Firsching süffisant: „Da ist es doch beruhigend, dass ein Mann von Welt wie Franz Beckenbauer, der die WM 2006 ehrenamtlich für schlappe 5,5, Mio. Euro Aufwandsentschädigung nach Deutschland geholt haben soll, beteuerte er habe beim Besuch in Katar keine Sklaven gesehen.“ Diese Zustände seien menschenverachtend, das exakte Gegenteil von menschenwürdig. Und nachdem es in all diesen Fällen darum gehe möglichst hohe Profite zu erzielen, sei ein gesellschaftliches Umdenken unvermeidlich.

DGB KV Schweinfurt

Ohne Bayern mit Bangladesch verglichen oder gleichgesetzt zu haben, kritisierte Firsching eine „böse Entwicklung“ genannt Union Busting. Darunter verstehe man das gezielte Bekämpfen von Betriebsräten und Gewerkschafterinnen durch den oder die Arbeitgeber. „Kolleginnen und Kollegen werden dabei meist mit erfundenen Vorwürfen diskreditiert, gemobbt und schließlich gekündigt. Sei es, um die Gründung eines Betriebsrats zu verhindern, die Entstehung einer gewerkschaftlichen Gruppe im Betrieb zu behindern oder einen kritischen Geist los zu werden.“ Als Negativ-Beispiele aus der Region nannte Firsching unter anderem die Erfahrungen mit Götz- Brot, Flyeralarm Würzburg und XXL Neubert Schweinfurt. Um die Rechte der Arbeitnehmerschaft auch hierzulande zu schützen forderte Firsching den Gesetzgeber auf, die Behinderung von Betriebswahlen und Betriebsratstätigkeit als Straftatbestand einzustufen. Den anwesenden stellvertretenden Hauptgeschäftsführer der IHK, Herrn Jürgen Bode, zugewandt machte der DGB Vorsitzende klar, es gebe selbstverständlich viele anständige Unternehmen in der Region, die Mitbestimmung und Tarifbindung ernst nähmen. Insoweit handle es keinesfalls um ein Pauschalurteil. Richtig sei vielmehr, dass sich die Anständigen gemeinsam gegen die Unlauteren wehren müssen.

Der stellvertretende DGB Kreisvorsitzende Jens Öser durfte zu Veranstaltungsbeginn neben Bürgermeister Karl- Heinz Kauczok, MdL Kathi Petersen (SPD) sowie die Bezirksrätin Angelika Strobel (Die Linke) und Bezirksrat Stefan Funk (CSU) auch einigen Stadt- und Kreisräte namentlich begrüßen. Die Online Jazzband führe rundete die anschließenden Gespräche musikalisch gekonnt ab.

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