Deutscher Gewerkschaftsbund

17.11.2016
DGB analysiert Rentenhöhen in Unterfranken

DGB Unterfranken fordert Kurswechsel für bessere Renten

Frank Firsching

Frank Firsching DGB Region Ufr.

Das Ergebnis der DGB-Analyse zu den Rentenhöhen in Unterfranken vorneweg: Frauen bekommen auch in Unterfranken knapp 50% weniger Rente als Männer. Männer, die 2015 in Unterfranken erstmals eine gesetzliche Altersrente bezogen haben, erhielten im Schnitt 1.102 Euro pro Monat“, erklärt Frank Firsching, DGB Regionsgeschäftsführer Unterfranken. „Frauen mussten mit knapp der Hälfte, nämlich mit durchschnittlich 585 Euro auskommen.“

Damit liegt der unterfränkische Durchschnittsbetrag bei den Männern 54 Euro höher als der Bundesdurchschnitt, bei den Frauen dagegen sind es 67 Euro im Monat weniger. Der höchste Rentenbezug der Männer, die 2015 erstmal eine gesetzliche Altersrente bezogen, wird im Landkreis Aschaffenburg mit 1219 Euro erreicht, der niedrigste in der Stadt Würzburg mit 931 Euro. Bei den Frauen reicht die unterfränkische Spanne von monatlich 543 Euro im Landkreis Kitzingen bis hin zu 653 Euro in der Stadt Würzburg. 

Insbesondere in den Landkreisen um die Industriestädte wie Aschaffenburg und Schweinfurt (1.153 Euro) im sogenannten Speckgürtel liegen die Renten der Männer über dem bundesweiten Schnitt von 1.048 Euro. Ein Erklärungsansatz für den DGB Unterfranken ist, dass vor allen Dingen Männer auf Industriearbeitsplätzen in den Städten gearbeitet haben und sich in den Landkreisen niedergelassen haben und bspw. ein Haus gebaut haben. In der unterfränkischen Industrie kommen in der Regel Tarifverträge zur Anwendung, weil sich die Kolleginnen und Kollegen in Gewerkschaften organisieren. Damit herrschen nicht nur bessere Arbeitsbedingungen, sondern auch höhere Löhne, die sich in der Rente positiv niederschlagen. „Mit Sorge beobachten wir, dass sich immer mehr Arbeitgeber branchenübergreifend aus der Tarifbindung verabschieden. Nur noch knapp die Hälfte der Beschäftigten arbeitet unter tarifvertraglich gesicherteren Arbeitsbedingungen. Wir brauchen einen Kurswechsel nicht nur damit die Menschen in Unterfranken heute mehr verdienen, sondern im Alter auch eine lebensstandardsichernde Rente beziehen können“, so Firsching.  

Altersarmut droht vor allen Dingen Frauen in Unterfranken. Der überwiegende Teil der Beschäftigten im Niedriglohnsektor in Unterfranken sind Frauen. Sie erhalten bis heute nicht nur weniger Entgelt als Männer bei gleicher Arbeit, sondern sie finden sich auch besonders häufig in schlecht bezahlten und unsicheren Arbeitsverhältnissen wieder. Besonders häufig tappen Frauen in die sogenannte „Minijobfalle”. Sie üben nur einen versicherungsfreien Minijob aus, für den es praktisch keine Rente gibt. „Diese Entwicklung lässt sich am Beispiel Kitzingen nachvollziehen. 543 Euro Rente bekam eine Frau, wenn sie im Jahr 2015 in Rente gegangen ist. Ein Blick in den Kitzinger Arbeitsmarktbericht der Agentur für Arbeit zeigt, dass über 63% der geringfügig Beschäftigten Frauen sind. Das macht sich dann auch im Rentenbezug bemerkbar“, analysiert der DGB-Regionschef. 

Für Firsching gibt das ständig sinkende Rentenniveau Anlass zur Sorge: „Eine Rente, die zur Jahrtausendwende 1000 Euro wert war, wird im Jahr 2030 nur noch 800 Euro wert sein. Dieser Verfall muss gestoppt werden. Dafür streiten wir!“ 

Damit dieser Trend umgekehrt werden kann, fordert der Regionsgeschäftsführer des DGB Unterfranken:

„Wir müssen unser Rentensystem nachhaltig sichern. Der entscheidende Schritt ist die Stabilisierung des Rentenniveaus. Langfristig brauchen wir zudem eine deutliche Erhöhung. Ja das kostet Geld, ist aber machbar. Der DGB schlägt vor, den Beitragssatz moderat schrittweise anzuheben – auf 22 Prozent bis 2030. Zudem müssen gesamtgesellschaftliche Aufgaben wie die ‚Mütterrente‘ konsequent aus Steuermitteln statt aus Beitragszahlungen der Versicherten finanziert werden. Allein die an sich richtige ‚Mütterrente‘ kostet die Versicherten sieben Milliarden Euro pro Jahr. Damit wäre eine Stabilisierung des Rentenniveaus finanzierbar und eine Rentenpolitik, die ein würdevolles Leben im Alter sichert, möglich.“

 


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