Deutscher Gewerkschaftsbund

10.07.2018

Klausurwoche des DGB Bayern

Beilngries. Einmal im Jahr findet die Klausurwoche des DGB Bayern statt. Auf dieser treffen sich alle politischen SekretärInnen. Egal ob Jugendsekretärin, Orgasekretär, Regionsgeschäftsführer oder Abteilungsleiterin im Bezirk. Sie alle nehmen ebenso wie die Vorsitzenden des DGB Bayern an der Klausur teil und tauschen sich über die aktuellen Themen und Herausforderungen für den DGB Bayern aus. Neben dem Austausch dient die Klausurwoche auch der Weiterbildung, weshalb es Input durch externe Referenten gibt, welcher anschließend in Diskussionen eingeordnet und schließlich zur Erarbeitung von Handlungsstrategien genutzt wird.

Auf der diesjährigen Klausur vom 2. – 6. Juli im ABG Tagungszentrum in Beilngries standen zahlreiche Themen auf dem Programm. Nach einer Begrüßung und der Klärung organisatorischer Angelegenheiten durch den Bezirksvorsitzenden Matthias Jena war Dr. Marianna Hanke-Ebersoll (AOK Bayern) als Referentin für Pflege eingeladen über die Pflegesituation in Bayern zu berichten. Dabei ging sie vor allem auf die Organisation der Pflege aus Sicht der AOK Bayern ein und gab einen Überblick der Strukturen der Krankenkasse sowie ihrer Angebote im Bereich der Pflege.

Am Dienstag folgten dann die Schwerpunktthemen „Wohnen in  Bayern“ und „Tarifbindung in Bayern“. Als Referent für ersteres Thema war Dipl.Kfm. Hans Maier vom Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW Bayern) zu Gast. Der Verband vertritt in erster Linie bayerische Genossenschaften in der Immobilienbranche. Zum Thema Tarifbindung in Bayern referierte der Autor der neu erschienenen Studie zur Tarifbindung und Tarifflucht in Bayern, Prof. Dr. Thosten Schulten. Er forscht für das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung (HBS). Sein Befund ist alarmierend: Die Tarifbindung ist in Bayern im westdeutschen Vergleich auf dem letzten Platz. Auch sinkt die Tarifbindung seit mittlerweile zwei Jahrzehnten, was Hunderttausenden von Beschäftigten immer schlechtere Arbeitsbedingungen beschert. Auch der Mär der höheren Gehälter in Bayern muss der Wissenschaftler eine Absage erteilen. Faktisch liegen die Gehälter in Bayern strukturbereinigt sogar leicht unter dem westdeutschen Durchschnitt.

Der Mittwoch war geprägt vom Bericht über die Beschlüsse des 21. ordentlichen DGB Bundeskongress. In diesem Rahmen waren Klaus Beck und Konrad Klingenburg vom DGB Bundesvorstand angereist um mit den anwesenden SekretärInnen über die angestoßenen Projekte und Aufgaben zu diskutieren. Im Anschluss stand ein Besuch im Bürgerwindpark in Denkendorf an, wo eine Gemeinde von sich aus ihren Teil zu einer zukünftig klimagerechten Energieversorgung beiträgt.

Am Donnerstag diskutierten die Gewerkschafter in einer Fishbowl-Runde mit Johannes Hillje (Politik- und Kommunikationsberater), Sascha Ernszt (früherer ÖGB Bundesjugendsekretär), Prof. Dr. Klaus Dörre (Soziologe Uni Jena) und Robert Scherer (IG Metall Passau) über den Umgang mit Rechten in Politik und Gewerkschaften. Hierbei konnten zahlreiche Erkenntnisse gezogen werden, sei es hinsichtlich der Problemwahrnehmung von Sympathisanten der AfD auf Bundes-, Stadtteil- oder Alltagsebene oder im Umgang mit einer rechtspopulistischen FPÖ innerhalb der Regerung Österreichs, die zuletzt ja gegen massiven Widerstand der Gewerkschaften den 12-Stunden-Tag eingeführt hat. Später stellten die acht DGB-Regionen sowie die DGB Jugend Bayern als auch der Bezirk ihre Schwerpunkte und Aktionen zur Landtagswahl 2018 vor.

Den Abschluss der Klausur bildete ein politisches Frühstück mit dem Soziologen Prof. Dr. Armin Nassehi (LMU München). Er forscht zu Diskontinuitäten innerhalb der Gesellschaft. Diskontinuitäten durchbrachen mit dem Einsetzen der Industrialisierung die bewährten Strukturen im Leben und der Arbeit der vorindustriellen Gesellschaften. Anzeichen für ähnliche Umbrüche macht der Soziologe auch für die heutige Zeit aus, welche zunehmen von der Digitalisierung erfasst wird. Gemeinsam mit den Anwesenden diskutierte er mögliche Handlungsstrategien der Gewerkschaften, welche die Aufgabe haben in dieser Zeit des Umbruchs keine Neuauflage eines Manchester-Kapitalismus in einer digitalen Version zuzulassen.

Foto: DGB


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