Deutscher Gewerkschaftsbund

28.06.2018
Pressemeldung der GEW Unterfranken

Abbruch von Ausbildungen vermeiden

Kongress der Bildungsgewerkschaft mit Gelingensfaktoren des Dualen Systems

Zum 25. Mal fand in Unterfranken der GEW-Kongress Bildung-Anders statt. Zu diesem Jubiläum stand das Duale System der Ausbildung auf dem Prüfstand: In Unterfranken wie im Bundesgebiet bricht jeder vierte Lehrling seine Ausbildung ab. "Die Hälfte der Abbrecher landet ungelernt auf einem immer rauer werdenden Arbeitsmarkt," sagte der GEW-Bezirksvorsitzende Martin Heilig. Dr. Peter Schwarz zeigte in seinem Film "Abbruch vermeiden!" auf, woran das liegt, aber auch was dagegen unternommen werden kann. Wichtig seien Kontakte zwischen Schulen und Betrieben, für die die Lehrkräfte auch freigestellt werden müssten. Lernpatenschaften, Netzwerke, die Eltern, Auszubildende, Betriebe und Schulen verbinden, sind erfolgreich. Auch ein Coaching-System wie das PraeLab (Praevention von Lehrabbrüchen) der Bundesagentur für Arbeit biete Chancen, Ausbildungskrisen zu überwinden. Fachleute aller an Ausbildung beteiligten Akteure diskutierten Lösungsansätze.

Andrea Sitzmann, HWK, Geschäftsbereich berufliche Bildung warnte, dass jedes Jahr 800 Lehrstellen in Unterfranken unbesetzt blieben: Man muss sich daher um die speziellen Belange der Abbrecher kümmern, da die Elternhäuser die Jugendlichen oft alleine ließen: "Abbrecher benötigen eine starke Gesellschaft, die ihnen Rückhalt bietet".

Anna Katrin Kroll, DGB-Jugendsekretärin, sagte, dass "Ausbildungsreife" sich im selektiven Schulsystem nicht so leicht herstellen ließe. Ausbildungsbetriebe müssten ebenfalls ausbildungsreif sein: "Wir müssen den Austausch zwischen Schulen und Betrieben mit sozialpädagogischer Hilfestellung für Azubis sicherstellen."

Klaus Meyer, vom Ochsenfurter Autohaus Meyer, der in vierzig Jahren 70 Lehrlinge ausgebildet hat, hält das Duale System für "super": "Praktika sind dabei das non-plus-ultra bei uns, sie müssten aber mit  5-6 Wochen länger sein als bisher, damit beide Seiten lernen, sich aufeinander einzustellen."

Die Bundesagentur für Arbeit qualifiziert Berater, die mit systematischer Ursachenanalyse, intensiver Begleitung und Beratung und hohem Einsatz Abbrecher schon von vor dem Abbruch der Ausbildung identifizieren. Peter Anhäuser von der Hochschule der BA: "PraeLab ist ein Frühwarnsystem, dem individuelle Beratung folgt." Die Arbeitgeber müssten noch besser eingebunden werden.

Ansgar Klinger, Leiter der Abteilung Berufliche Bildung der GEW Deutschland, warnte, dass ein Streben nach höheren Abschlüssen  ("Akademisierungswahn") falsche Signale in den Arbeitsmarkt sende: "Akademiker haben bessere Aussichten, da Arbeitgeber sie hofieren." Die Arbeitgeber müssten daran arbeiten, dass z. B. das Handwerk hervorragende Perspektiven böte. Dazu gehöre aber auch eine faire Bezahlung der Arbeit.

Der Gründer von Bildung anders, der unterfränkische Lehrer und ehmalige GEW-Personalrat Rudolf Brandenstein schloss mit dem Hinweis, dass unter Geflüchteten ein ungeheures Potential schlummere: "Auch hier müssen wir die von der Regierungspartei immer wieder beschworenen christlich-sozialen Werte beim Wort nehmen. Geduldeten jugendlichen Flüchtlingen  muss endlich erlaubt werden, eine Ausbildung zu machen."

Quellen:

Berufsbildungsbericht 2018: https://www.bmbf.de/pub/Berufsbildungsbericht_2018.pdf
PraeLab (Praevention von Lehrabbrüchen): http://www.praelab-hdba.eu/
BU

Bildung-Anders-Initiator Rudolf Brandenstein begrüßte auf dem Podium (v. links) Peter Anhäuser von der Hochschule der Agentur für Arbeit in Mannheim, Regisseur Dr. Paul Schwarz, Andrea Sitzmann von der Handwerkskammer Unterfranken, Anna-Katrin Kroll, Jugendsekretärin des DGB in Schweinfurt, Moderator und GEW-Bezirksvorsitzender Martin Heilig, Unternehmer Klaus Meyer aus Ochsenfurt sowie Ansgar Klinger, Leiter des Organisationsbereichs Berufliche Bildung der GEW.

Mit freundlichen Grüßen,
Jörg Nellen, stellvertetender Vorsitzender und Pressesprecher GEW-Bezirk Unterfranken

 

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