Deutscher Gewerkschaftsbund

28.08.2017

Erst betrogen worden, dann entlassen!

Großostheim – Aschaffenburg. „Zustände wie im 19. Jahrhundert“ bescheinigt DGB Regionsgeschäftsführer Frank Firsching der Großbäckerei Bickert, die im Aschaffenburger Raum etwa 200 Beschäftigte hat. Sieben von ihnen wurden gekündigt, allesamt Bäckereifachverkäuferinnen, weil sie den Lohn geltend machten, der ihnen zusteht. Dass unter ihnen noch eine schwangere, 24jährige Mutter ist, zeigt die Unverfrorenheit des Arbeitgebers Bickert, der sich einen Dreck um Recht und Gesetz schert.

Diesen pikanten Fall machte NGG Geschäftsführer Ibo Ocak und die betroffenen Frauen mit Unterstützung Firschings bei einer Pressekonferenz im Aschaffenburger DGB- Haus öffentlich. Dabei ist die Geschichte schnell erzählt: Durch mehrere aufklärerische Aktionen der NGG bei Bickert über Arbeitnehmerrechte und Tariflöhne wurden vielen Beschäftigten bewusst, dass die Firma Bickert ihnen deutlich zu wenig Lohn zahlt. Denn der Bäcker Bickert ist als Mitglieder der Bäckerinnung tarifgebunden und hat demzufolge Tariflohn zu zahlen. Das tut er aber nicht. Wie es im Arbeitsrecht vorgeschrieben ist, verlangte die Gewerkschaft für ihre Mitglieder, in diesem Fall die sieben Bäckereifachverkäuferinnen, rückwirkend für drei Monate den Differenzbetrag zwischen dem Tariflohn und dem tatsächlich bezahlten Lohn. Die Beträge lagen zwischen 300 Euro und 1.200 Euro. Einen Tag nachdem die Geltendmachungen den Arbeitgeber erreichten, flatterte den Frauen ihre Kündigung ins Haus: „Aus betrieblichen Gründen“. Aha. Eine Bäckerei, die händeringend Fachkräfte sucht und mehrfach öffentlich den Fachkräftemangel beklagte, entlässt sieben Fachkräfte aus betrieblichen Gründen einen Tag nachdem just diese sieben Frauen nicht erhaltenen Lohn geltend machten.

Ibo Ocak ist nach eigenen Worten „stinksauer“. Er findet den Umgang des Arbeitgebers mit seinen Beschäftigten „unwürdig“ und hat die Kündigungsschutzverfahren für die Kolleginnen eingereicht. Der erste Gütetermin ist für den 13. September anberaumt. Ocak geht davon aus, dass die Verfahren noch in diesem Jahr beendet werden und gibt sein klares Ziel aus: Weiterbeschäftigung aller sieben Kolleginnen, und zwar mit Tariflohn. Für Ocak ist das Geschäft der Großbäcker ein Dschungel aus Unterdrückung, Arbeitsrechtsverstößen und Preiskampf, der auf dem Rücken der Belegschaften mittel Lohndumping ausgetragen wird. Alleine für die Bäckerei Bickert schätzt Ocak den jährlich vorenthaltenen Lohn für die Beschäftigten auf 600.000 bis 800.000 Euro. Ocak spricht klar von Diebstahl.

Frank Firsching will es nicht in den Kopf, dass Arbeitgeber, die Arbeitnehmerrechte mit Füßen treten und gegen Recht und Gesetz verstoßen ohne Strafe einfach so davon kommen. „Das schlimmste, was einen Arbeitgeber der sich um Arbeitnehmerrechte nicht schert, vor Gericht passieren kann, ist die richterliche Korrektur der Verfehlung und die Ermahnung sich künftig an Gesetze zu halten. Das wäre in etwa so als bestrafe man einen Bankräuber mit der Rückzahlung des Raubes und der Bitte Überfälle doch nicht zu wiederholen.“


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