Deutscher Gewerkschaftsbund

22.09.2017
SPD Kandidat fordert eine Erhöhung des Mindestlohns von fast 50%, die CSU Abgeordnete kann sich eine Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung vorstellen, der Grünen Vertreter will einen Lohnaufschlag für Leiharbeiter, und der Linken Kandidat appelliert an die Millionäre…

Überraschende Antworten auf dem heißen Stuhl in Aschaffenburg

Überraschende Antworten auf dem heißen Stuhl in Aschaffenburg

Überraschende Antworten auf dem heißen Stuhl in Aschaffenburg DGB Unterfranken

Aschaffenburg. Überraschende Antworten bekamen die rund 120 Gäste beim ersten heißen Stuhl in Aschaffenburg von den Bundestagskandidaten zu hören. Es wurde von den Vertretern der großen Koalition die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung in der gesetzlichen Krankenversicherung und der gesetzliche Regelung des Rückkehrrechts aus Teilzeit in Vollzeit genauso gefordert und unterstützt wie ein Mindestlohn von 13€ oder ein Rentenniveau von 55%. Überraschend war, von wem die Forderung aufgestellt wurde, da diese Forderungen in den jeweiligen Wahlprogrammen der Parteien so nicht zu finden sind. Was also glauben? Der persönlichen Meinung des Kandidaten oder das, was schwarz und weiß im Programm steht…?

Überraschende Antworten auf dem heißen Stuhl in Aschaffenburg

Überraschende Antworten auf dem heißen Stuhl in Aschaffenburg DGB Unterfranken

Der Raum Dalberg in der Aschaffenburger Stadthalle ist aus allen Nähten geplatzt - so groß war der Andrang beim heißen Stuhl der DGB Region Unterfranken in Aschaffenburg. Viele Gäste saßen auf den Fensterbrettern oder standen während der rund 2,5 stündigen Veranstaltung und weitere mussten leider von den Mitarbeitern der Stadthalle abgewiesen werden.

 

Rudi Großmann, DGB Kreisverbandsvorsitzender, freute sich bei der Begrüßung über die rege Teilnahme, die zeige, wie groß das Interesse sei, die Kandidaten der Parteien kennen zu lernen. Inhaltlich hat DGB Regionssekretär Björn Wortmann die Veranstaltung vorbereitet und im Vorfeld mit dem Redakteur des Main-Echos Peter Freudenberger die Befragungsstrategie und die Themenschwerpunkte abgestimmt. Gute Arbeit, Rente, Steuergerechtigkeit lauteten die Überschriften, unter denen Freudenberger und Wortmann den Kandidaten spezifische Fragen stellten.  Peter Freudenberger befragte den SPD Kanditen Mosca-Spatz und den Linken Kandidaten Georg Liebl. Björn Wortmann stellte an die CSU Kandidatin Andrea Lindholz und an den Grünen Kandidaten Niklas Wagener die Fragen.

Überraschende Antworten auf dem heißen Stuhl in Aschaffenburg

Überraschende Antworten auf dem heißen Stuhl in Aschaffenburg DGB Unterfranken

Nachdem die beiden Moderatoren 15 Minuten Fragen gestellt hatten, bekam das Publikum das Wort, das die Chance nutzte, zur Personalnot in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, zu Freihandelsabkommen, Kooperationsverbot und Umweltthemen konkrete Fragen zu formulieren.

Überraschende Antworten bekamen die Zuhörer von den Kandidaten geliefert, die von den Forderungen der Wahlprogramme der jeweiligen Partei abwichen. So forderte der SPD Kandidat Mosca-Spatz ein Rentenniveau von 55%. Im Wahlprogramm ist zu lesen, dass das Rentenniveau auf 48% stabilisiert werden solle. Er forderte ebenso eine Erhöhung des Mindestlohns um fast 50% auf 13€, was sogar die Forderung des Linken Parteiprogramms von 12€ übertrifft.

Überraschende Antworten auf dem heißen Stuhl in Aschaffenburg

Überraschende Antworten auf dem heißen Stuhl in Aschaffenburg DGB Unterfranken

Auch Andrea Lindholz überraschte die Zuhörer mit der Aussage, dass mit einer Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung kein Arbeitgeber überfordert sei. Auch als Frau unterstütze sie die Forderung nach einem gesetzlich verankerten Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit.

Um über 270% ist die Zahl der Leiharbeiter in der Stadt Aschaffenburg in den letzten Jahren angestiegen. Niklas Wagener, der für die Grünen im Wahlkreis Aschaffenburg ins Rennen geht, forderte einen Zuschlag für Leiharbeiter, damit sie mehr verdienen als die Stammbelegschaft.

Überraschende Antworten auf dem heißen Stuhl in Aschaffenburg

Überraschende Antworten auf dem heißen Stuhl in Aschaffenburg DGB Unterrfranken

Über 1500 Kinder leben in der Stadt Aschaffenburg in Armut, 600 Alleinerziehende leben in Armut – hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die sich oft von der Politik allein gelassen fühlen. Was würde Georg Liebl, der für die Linke kandidiert, den über 80 Einkommensmillionären in der Region bayerischer Untermain sagen und was würde er im Bundestag umsetzen?

Liebl forderte eine gesetzliche Vermögenssteuer und eine Umverteilung und appellierte jedoch zugleich an die Millionäre, sich auch sozial in der Region zu engagieren und Projekte zu unterstützen.

Überraschende Antworten auf dem heißen Stuhl in Aschaffenburg

Überraschende Antworten auf dem heißen Stuhl in Aschaffenburg DGB Unterfranken

Alle Kandidaten haben sich gut auf dem ersten Aschaffenburger heißen Stuhl geschlagen und konnten ihre Meinung zu den DGB Themen dem Publikum mitteilen. Das Publikum hörte den Ausführungen der Kandidaten bis zum Ende der Veranstaltung aufmerksam zu und stellte kritische Nachfragen. Die Zuhörer müssen sich entscheiden, wen sie wählen und was sie überzeugender finden: die persönliche Meinung des jeweiligen Kandidaten oder vielleicht doch das Wahlprogramm? Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem.

„Wir haben einen Beitrag zur politischen Meinungsbildung in Aschaffenburg gleistet“, ist sich Björn Wortmann sicher, „uns war es wichtig, deutlich zu machen, dass hier in der Region Aschaffenburg einige wenige von den wirtschaftlichen Erfolgen der letzten Jahre profitiert haben, während bei den meisten Menschen kaum etwas vom wachsenden Wohlstand unseres Landes ankommt. Dieses Ziel haben wir mit unseren Fragen und den konkreten regionalen Zahlen zum Arbeitsmarkt erreicht!“

Überraschende Antworten auf dem heißen Stuhl in Aschaffenburg

Überraschende Antworten auf dem heißen Stuhl in Aschaffenburg DGB Unterfranken


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