Deutscher Gewerkschaftsbund

12.04.2018
Podiumsdiskussion der IG BAU am 10. April in Würzburg

Rente 4.0 - Wer früher stirbt ist kürzer arm

Moderator Frank Firsching (DGB) Foto: DGB Unterfranken

Würzburg. Am 10. April fand unter dem sarkastischen Motto „Wer früher stirbt ist kürzer arm“ eine Podiumsdiskussion der IG BAU im Blauen Adler in Würzburg statt. Als Diskutanten konnte die IG BAU Klaus Ernst (DIE LINKE), Bernd Rützel (SPD) und Helmut Kaltenhauser (FDP) gewinnen. Die CSU weigerte sich trotz unzähliger Anfragen und Schreiben einen Diskutanten zu schicken. DGB Regionsgeschäftsführer Frank Firsching übernahm die Moderation des Abends, an welchem auch TV Mainfranken sowie die Mainpost zu Gast waren.

 

Nach der Begrüßung durch Michael Groha, den IG BAU Vorsitzenden Würzburgs, sowie einem kurzen Einspieler einer Folge von „Die Anstalt“ begann Frank Firsching zunächst mit einigen Fragen die Stimmung im Publikum vorzufühlen. Auf Fragen wie „Wer hält die derzeitige Rente für zu niedrig/zu hoch/angemessen“ meldeten sich die Gäste entsprechend. Wenig überraschend hielten fast alle im Publikum die Rente für zu niedrig.

Klaus Ernst MdB im Gespräch mit den Medien Foto: DGB Unterfranken

Das Podium Foto: DGB Unterfranken

 

Somit war der Einstieg für die Helmut Kaltenhauser von der FDP ein eher undankbarer. Er plädierte im Laufe des Abends für das derzeitige Drei-Säulen-Modell bzw. für ein Baukastensystem bei der Rente, welche sich entsprechend aus mehreren Elementen zusammensetzen solle. Weiterhin vertrat er die Meinung, dass es ein flexibles Renteneintrittsalter geben müsse. So könne man auf die unterschiedlichen Lebensrealitäten der Menschen eingehen. Auch eine Art Grundrente für langjährige Beitragszahler wurde von ihm ins Spiel gebracht. Wie diese genau aussehen solle bzw. zur Höhe und wie sich eine solche Grundrente von der Grundsicherung unterscheiden würde, legte er mit Verweis auf die zahlreichen Einflussfaktoren nicht dar.

von links: Frank Firsching (DGB), Klaus Ernst (Linke), Bernd Rützel (SPD) Foto: DGB Unterfranken

Bernd Rützel von der SPD gab sich als SPD-Linker zu erkennen. So plädierte er für eine Abschaffung des Drei-Säulen-Modells aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente und Riester-Rente zugunsten von ersterer. Er argumentierte, dass die kapitalgedeckte Altersvorsorge spätestens seit Beginn der Niedrigzinsphase gescheitert ist. Nur eine starke gesetzliche Rente kann demnach ein sicheres Auskommen im Alter sichern. Darüber hinaus sprach er sich für eine Bürgerversicherung aus, in welche alle Erwerbstätigen einzahlen sollen, sowie für ein Rentenniveau von 53% – deutlich mehr als die von der SPD geforderte Stabilisierung bei 48%. Allgemein übte er viel Kritik an der Politik der SPD hinsichtlich der Rentenpolitik, verwies aber zugleich auf den Zwang zum Kompromiss sowie auf Fortschritte, die jedoch niemals der reinen Lehre entsprächen.

 

Blick ins Publikum Foto: DGB Unterfranken

Klaus Ernst von der Linkspartei legte neben viel Kritik an der SPD und ihrer Rentenpolitik seit Gerhard Schröder – u.a. wurde die Rente mit 67 vor ihrer Einführung in keinem Wahlprogramm der SPD thematisiert, was einer gewissen Wählertäuschung gleichkäme – dar, dass tatsächlich nur die Rentenbeiträge für die Arbeitgeber gedeckelt wurden. Schließlich zahlen die Arbeitnehmer neben ihrem paritätischen Anteil an der Gesetzlichen Rentenversicherung alle privaten Vorsorgeleistungen selbst. Somit kämen auf 9,35% Rentenbeitrag noch fast 10% obendrauf. Allgemein müsse das Rentensystem wieder wie früher vom Rentenniveau aus gedacht werden, nicht vom Beitragsniveau. Darüber hinaus müsste sich die Lage dank der steigenden Produktivität in der Wirtschaft eigentlich entspannen, was aufgrund der schleppenden Lohnentwicklung jedoch nicht geschieht.

 

Blick ins Publikum Foto: DGB Unterfranken

von links: Helmut Kaltenhauser (FDP), Frank Firsching (DGB) Foto: DGB Unterfranken

 

Im Anschluss an die Beiträge der Diskutanten wurde dem Publikum Raum für Fragen und Statements gewährt. Hier kamen neben konkreten Anmerkungen zu den Äußerungen der Politiker zahlreiche Kritikpunkte zur Sprache. Beispielsweise wurden die Abschläge beim Eintritt in die Rente mit 63 trotz der vollen 45 oder gar mehr Beitragsjahre kritisiert. Bernd Rützel verwies hier auf den Stichtagscharakter der Regelung, die keineswegs optimal sei. Auch wurden weitere Bereiche der Sozialpolitik bzw. der Versorgung angesprochen, wie z.B. der Pflegenotstand.

Nach etwa zweieinhalb Stunden endete die informative Veranstaltung schließlich mit kleinen Gastgeschenken der IG BAU an die Diskutanten und Applaus für jeden von ihnen.

von links: Frank Firsching (DGB), Helmut Kaltenhauser (FDPI, Klaus Ernst (Linke),
Bernd Rützel (SPD), Michael Groha (IG BAU)
Foto: DGB Unterfranken


Nach oben

Der DGB Schweinfurt beteiligt sich am Bündnis Schweinfurt ist bunt.

Der DGB Würzburg beteiligt sich am Bündnis Würzburg ist bunt.