Deutscher Gewerkschaftsbund

10.10.2017

Karin Dauer als Vorsitzende des DGB Kreisverbands Würzburg wiedergewählt

Würzburg. Am 5. Oktober fand die Kreisdelegiertenkonferenz in des DGB Kreisverbandes Würzburg im Kulturspeicher statt. Auf der Konferenz wurde die alte und neue Vorsitzende Karin Dauer gewählt – mit 100 % der Delegiertenstimmen! Zudem wurden die weiteren Vorstandsmitglieder für den Kreisvorstand von den Mitgliedsgewerkschaften benannt. Der DGB Kreisvorstand Würzburg kann nun also mit erneuter demokratischer Legitimation vier Jahre lang die politische Arbeit für Würzburg Stadt und Land betreiben.

Karin Dauer begrüßt die Teilnehmer/innen der Konferenz Foto: DGB Unterfranken

Die Konferenz begann mit einer Begrüßung des Vorstandes und der Delegierten durch die Vorsitzende Karin Dauer. In der Folge stellte sich der neue DGB Regionssekretär Viktor Grauberger vor. Er trat im August die Nachfolge von Norbert Zirnsak an. Anschließend wurde die Konferenzleitung vorgeschlagen und angenommen. Diese übernahmen die beiden Vorstandsmitglieder Helmut Radler und Margit Schmidt. Es folgte die Konstituierung der Konferenz und Vorschlag und Annahme der Wahl- und Mandatsprüfungskommission. Diese Aufgaben wurden von Ulrike Schulz (DGB Büro Würzburg) sowie Ernst Valentin und Eckardt Beck (beide DGB Kreisvorstand Würzburg).

Auf die Konstituierung folgte der Rechenschaftsbericht des Kreisvorstandes durch Karin. In diesem ging sie auf die zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen in der vergangenen Amtszeit seit Oktober 2013 ein. So fand 2014 eine Gedenksteinlegung für das Gewerkschaftshaus des ADGB statt, das im Zuge der Luftangriffe der Alliierten auf Nazi-Deutschland zerstört wurde.

 

Die Konferenzleitung: Margit Schmidt (ver.di) und Helmut Radler (GEW) Foto: DGB Unterfranken

Eine weitere Aktion war eine Zusammenarbeit mit „Würzburg liest ein Buch“. Hierzu fand in Kooperation mit dem Kreisverband die Lesung eines Buches von Leonhard Frank statt. Auch großpolitische Themen waren für den Kreisverband von Bedeutung. So bezog man mit dem TTIP-Aktionstag auf der Alten Mainbrücke gegen das intransparente Abkommen Stellung. Auch beteiligte man sich später an der Organisation der deutschlandweiten Großdemonstrationen im September 2016. Zum Jahreswechsel 2013/14 kam auch Wuegida auf, die lange Zeit jeden Montag – in überschaubarer Teilnehmerzahl – in Würzburg demonstrierten. Der Kreisverband nahm jeden Montag an den Gegendemonstrationen teil und übernahm teilweise auch die Organisation dieser. Im Zuge dieser Entwicklungen wurde auch ein gemeinsames Positionspapier des DGB und seiner Mitgliedsgewerkschaften verabschiedet. Im zivilgesellschaftlichen Engagement beteiligte man sich auch an der Organisation der Demonstration und Kundgebung von „Würzburg ist bunt“, an der Tausende Demonstranten für ein weltoffenes Würzburg demonstrierten und auch Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig eine erheiternde Rede hielt. In kommunalpolitischer Hinsicht wurde mit Vertretern aller Stadtratsfraktionen zum Thema „Bezahlbarer Wohnraum für Würzburg“ diskutiert. Auch mit Landtagsabgeordneten gab es ein entsprechendes Gespräch. Zuletzt fand das vom Kreisverband organisierte Theaterstück „Was ihr wählt“ des Theater-Odos statt.

Über all diese Aktivitäten hinaus wurde selbstverständlich auch Bündnisarbeit geleistet. Hier kann unter anderem das Bündnis zum Weltfrauentag genannt werden, durch welches eine Veranstaltung zum Textil- und Bekleidungshandel bzw. der Produktion organisiert wurde. Auch die Klimaallianz kann an dieser Stelle genannt werden. Des Weiteren war der Kreisverband natürlich auch in die Organisation des 1. Mai-Demos  eingebunden und besuchte zahlreiche Veranstaltungen beispielsweise von Parteien.

Nach dem ausführlichen Rechenschaftsbericht, der hier nur in verkürzter Form rekapituliert wird, folgte ein Referat des DGB Regionsgeschäftsführers Frank Firsching zum Thema soziale Gerechtigkeit. In diesem ging er zuerst auf die Bedeutung der Arbeit des DGB ein, die in den Betrieben oft nicht so sichtbar in Erscheinung tritt. Dennoch ist seine Arbeit unverzichtbar, weil er die gemeinsamen Interessen aller Beschäftigten über alle Branchen hinweg als Dachverband vertritt und artikuliert. Gäbe es den DGB nicht, würden häufig unterschiedliche Forderungen der einzelnen Gewerk-schaften an die Politik gestellt werden. Die Parteien und Regierungen könnten sich dadurch die Forderungen herauspicken, die ihnen gefallen und hinterher sagen, dass sie doch die Gewerkschaften eingebunden hätten. Statt einer einheitlichen Stimme für alle Beschäftigten würden so vielstimmige Einzelforderungen gestellt werden und damit die Gewerkschaften insgesamt geschwächt werden

Frank Firsching, DGB Regionsgeschäftsführer, bei seinem Referat. Foto: DGB Unterfranken

Zur aktuellen politischen Lage betonte Frank Firsching den Rechtsruck in der Gesellschaft, den es – wenn überhaupt – schon lange nicht mehr gab. Mit dem Rechtsruck meint er das übergroße national-bürgerliche Lager aus den Unionsparteien, der FDP und der AfD. Dabei setzt er die Parteien jedoch nicht gleich. Durch die AfD wird der Nationalismus gestärkt, der Ab- und Ausgrenzung sowie Rassismus und Fremdenfeindlichkeit Vorschub leistet. Durch CDU/CSU und FDP wird hingegen der Konservatismus gestärkt, der zu einer Zementierung bestehender Macht- und Herrschaftsverhältnisse führt und in Kombination mit dem Neoliberalismus die Spaltung der Gesellschaft zwischen Arm und Reich weiter verstärkt. Für gewerkschaftliche Ideale und Ziele wie guter Arbeit, Mitbestimmung etc. ist so ein national-bürgerliches Lager natürlich ein hartes Pflaster.

Die sich derzeit formierende Jamaika-Koalition will er zu diesem Zeitpunkt dennoch nicht verdammen. Seine letzte Hoffnung lastet nun auf den Grünen. Angesichts ihres Wahlergebnisses werden sich diese seiner Meinung nach jedoch wahrscheinlich auf ihre Kernthemen Umwelt und Klima fokussieren und die soziale Frage damit zu kurz kommen. Die Tatsache, dass die Arbeitgeberverbände wie der Verband der bayerischen Wirtschaft (vbw) bereits eine Arbeitszeitkampagne führen, welche die Abschaffung wesentlicher Arbeitnehmerschutzrechte wie den 8-Stunden-Tag und die 11-Stunden-Ruhezeit zwischen zwei Schichten zum Ziel haben verstärkt das Problem noch. Teil der Kampagne sind absurde Beispiele, in den angebliche Arbeitnehmer beispielsweise darstellen weshalb der 8-Stunden-Tag bzw. die Höchstarbeitszeit von 10 Stunden nicht mehr „zeitgemäß“ sind. Zum Beispiel werden in Wasser fallende Hochzeiten genannt, die nicht stattfinden können, weil die Floristin abends bereits 10 Stunden gearbeitet hat und so den Blumenstrauß nicht mehr zur Hochzeitsgesellschaft bringen könne. Oder das Beispiel des Bauarbeiters, der sich beschwert, dass die Infrastruktur zerfällt, weil nicht 24 Stunden am Tag gearbeitet werden kann. Allerdings wird hier die Tatsache verschwiegen, dass durchaus 24 Stunden am Tag gearbeitet werden kann. Selbstverständlich braucht man hierfür aber drei Arbeiter und nicht nur einen. Auch die Feuerwehr wird als Beispiels herangezogen, obwohl berufliche Feuerwehren auch heute schon 24 Stunden am Tag besetzt sind. Die absurden Beispiele des vbw stellen die Realität also nicht nur falsch dar, sie setzen sogar auf Ängste in der  Bevölkerung und nutzen damit Instrumente, die man eigentlich eher der dem rechten, politischen Lager zurechnet.

 

Ernst Valentin (NGG) verliest das Wahlergebnis. Foto: DGB Unterfranken

Franks Einschätzung nach werden die nächsten vier Jahre daher von Abwehrkämpfen der Gewerkschaften geprägt sein. Trotzdem wird man mit der Regierung reden, wie dies auch sonst immer der Fall war. Gleichzeitig werden der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften jedoch auch ihre Aktionsfähigkeit unter Beweis stellen müssen. Weiterhin sieht er ein Interesse der Gewerkschaften an einer solidarischen Perspektive in der Politik für 2021. Eine solche Perspektive muss von den Gewerkschaften und den entsprechenden Parteien sowie Sozialverbänden gemeinsamen vorbereitet werden.

Im Anschluss an das Referat folgte die Wahl von Karin Dauer und die Benennung der folgenden Gewerkschafter_innen als weitere Vorstandsmitglieder.

Ordentliche Mitglieder: Margit Schmidt (ver.di), Eckhard Beck (IG BAU), Ernst Valentin (NGG), Helmut Radler (GEW), Thomas Scheb (EVG), Evelyne Sachs (IG Metall), Heiko Körner (IG BCE).

Stellvertretende Mitglieder: Klaus Emser (ver.di), Richard Brand (IG BAU), Robert Bausewein (NGG), Gabriele Neumann (GEW), Heike Förster (EVG), Werner Nawarotzky (IG Metall), Anna-Maria Dürr (IG BCE).

Die DGB Region Unterfranken gratuliert dem neuen Vorstand zur (Wieder-) Wahl und freut sich auf die Zusammenarbeit!

 

Der neue DGB Kreisvorstand Würzburg.
vorne von links nach rechts: Karin Dauer (Vorsitzende, ver.di), Anna-Maria Dürr (IG BCE), Werner Nawarotzky (IG Metall)
hinten von links nach rechts: Frank Firsching (DGB Regionsgeschäftsführer), Eckhard Beck (IG BAU), Ernst Valentin (NGG), Margit Schmidt (ver.di), Helmut Radler (GEW)
Foto: DGB Unterfranken


Nach oben

Der DGB Schweinfurt beteiligt sich am Bündnis Schweinfurt ist bunt.

Der DGB Würzburg beteiligt sich am Bündnis Würzburg ist bunt.