Deutscher Gewerkschaftsbund

13.02.2017

Wird meine Rente reichen?

DGB OV Höchberg

Höchberg. Unter diesem Titel diskutierte der DGB Ortsverband Höchberg mit dem Referenten Regionsgeschäftsführer Frank Firsching die Vorschläge des DGB zum Kurswechsel in der Rentenpolitik. Eingangs bezweifelte Firsching ob er eine Antwort auf diese Frage geben kann, da die gesetzliche Rente je nach Erwerbsverlauf höchst unterschiedlich ausfallen könne. Der DGB Ortsvorsitzende Walter Feineis widersprach und meinte, dass angesichts des fallenden Rentenniveaus die Rente nicht reichen werde.

Als Grundübel machte Firsching in seinem Vortrag den politischen gewollten Paradigmenwechsel in der Rentenpolitik zur Jahrtausendwende aus. War bis zu den Zeiten Norbert Blüms die Lebensstandardsicherung der Versicherten das vordringliche Ziel der gesetzlichen Rente, änderte die rot-grüne Bundesregierung von Gerhard Schröder unter dem Applaus von Union und FDP das Ziel auf Beitragsstabilität für die Arbeitgeber. Heraus kamen Rentenkürzungsprogramme und die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre, sodass die Rente für Neurentner immer geringer ausfällt. Von einem Durchschnitts- Rentenniveau von 53 Prozent im Jahr 2005 verbleiben im Jahr 2030 nur noch 43 Prozent. In Euro ausgedrückt werden aus 1.000 Euro Rente im Jahr 2005 nur noch 800 Euro im Jahr 2030. Die so entstandene Lücke von 200 Euro je 1.000 Euro sollen die Arbeitnehmer durch private Vorsorge über die Riester- Rente ausgleichen. Dazu sollen sie seither alleine noch einmal vier Prozent ihres Einkommens privaten Versicherungskonzernen überlassen um im Alter ihren Lebensstandard halten zu können. Die gesetzliche Rente soll nämlich nur noch als Grundsicherung taugen.

DGB OV Höchberg

Soweit zur Historie. Im Bundestagswahljahr 2017 fordert der DGB das weitere Absenken des Rentenniveaus zu stoppen und die aktuelle Höhe von 48 Rentenniveau zunächst zu halten und später wieder anzuheben. Der DGB hat errechnet, dass dazu eine schrittweise Erhöhung des paritätisch finanzierten Rentenbeitrags auf 22 Prozent ausreichen würde, wie Firsching anhand einiger Folien erläuterte. Hinzu kämen Maßnahmen wie eine „Rente nach Mindestentgeltpunkten“ einer „besseren Erwerbsminderungsrente“ und der Schaffung von „flexiblen Übergängen in die Rente“ anstatt einer starren Altersgrenze von 67 Jahren.

Am Beispiel Österreichs untermauerte Firsching die DGB- Vorschläge. Denn während der durchschnittliche Rentenbezugs eines Neurentners hierzulande 1.050 Euro beträgt, seien es in Österreich 1.560 Euro monatlich – und zwar nicht 12x im Jahr, sondern 14x pro Jahr. Dazu zahlten die Österreicher nicht 18,7 Prozent paritätische in die Rentenversicherung ein, sondern 22,8 Prozent. Davon die Arbeitgeber allerdings 12,55 Prozent und die Arbeitnehmer nur 10,25 Prozent ihres Einkommens. Rechnet man in Deutschland die vier Prozent Riester- Rente hinzu, beträgt der Rentenversicherungsbeitrag bei uns 22,7 Prozent, wovon aber die Arbeitgeber nur 9,35 Prozent beitragen, die Beschäftigten jedoch 13,35 Prozent. Da wird der Unterschied deutlich.

In der umfassenden Debatte wurde auch deutlich, dass die Teilnehmenden der Veranstaltung die DGB Forderung nach einer Erwerbstätigenversicherung unterstützen. In ihr sollen perspektivisch auch die Beamten, die Freiberufler, Selbstständigen und die Politiker einbezogen werden.


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